Anastasia und ich
Anastasia und ich
sind zusammen hundertsiebzig
gemeinsam sind wir im Heim
schlürfen unseren Haferschleim
und stecken uns gegenseitig den Finger rein
Von den alten Herrn
halten wir und fern
die sind meist ganz schön senil
haben überhaupt kein Ziel
Aber wir zwei
sind hier endlich frei
gratis Kost und Logie
hatten wir früher nie
Und wenn wir mal was verbrechen
Straffrei! - Wegen unsrer Gebrechen
Als die Großmutterbande
suchen sie uns im ganzen Lande
Wir sprengen Pelztierfarmen
und unterstützen die Armen
oft waren wir schon in Untersuchungshaft
denn `Kapitalumschlichtung´ ist Annis
Leidenschaft
Wir berauben gerne Banken
das Geld kriegen die Alten und Kranken
Aber auch wir machen mal Pause e
sitzen gemütlich bei einer Jause
Seit 45 Jahren spielt Anni jetzt mit mir
Schach
immer noch denke ich ihr dabei zu viel nach
Weil ich sie damit ganz zermürbe
droht sie daß sie darüber noch stürbe
Wenn ich sie dann einehau`*
sagt sie: Für eine alte Frau bist du
ganz schlau
Gerade klopft die hübsche Schwester
Irene
Wo sind denn jetzt bloß meine Zähne
Die Gute bringt uns Kaffe und Kuchen
also fang ich an mein Gebiß zu suchen
eben fällts aus Anastasias Dekolltee
dazu noch ein Päckchen von meinem Schnee
das tun wir gleich ins Himbeergelee
Jetzt sind wir gleich ganz munter
treibens noch ein bißchen bunter
lassen unsere Finger
nicht einmal von Schwester Inga
Was ich halt immer sage
Nicht verzage!
sondern freu dich auf deine alten Tage!
(Nadja Schefzig)
Anm.:
*einihau`: österreichisch 1. niederschlagen,
2. beim (hier:Schach) Spielen schlagen
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